Sanktionen und ADR
Sanktionen wirken sich auf ADRs (American Depositary Receipts) auf mehreren Ebenen aus – rechtlich, operativ, handelsbezogen und wirtschaftlich. Besonders deutlich wurde dies bei russischen ADRs (z. B. Sberbank) ab 2022.
1. Direkte Auswirkungen auf den Emittenten und die Underlying Shares
- Wenn der Emittent (z. B. Sberbank) oder die zugrundeliegenden Aktien sanktioniert werden (OFAC SDN-Liste, EU-Sanktionen etc.), dürfen US-Personen und oft auch EU-Personen keine neuen Transaktionen mit den Aktien oder ADRs eingehen.
- Bestehende Positionen werden häufig „eingefroren“ oder unterliegen strengen Beschränkungen.
- Dividenden und andere Ausschüttungen können blockiert oder nicht mehr weitergeleitet werden.
- Stimmrechte und andere Aktionärsrechte der hinterlegten Aktien können eingeschränkt oder ausgesetzt werden (wie bei Sberbank ab April 2022).
- Die Depositary Bank braucht in der Regel spezielle Lizenzen (z. B. OFAC Specific License), um das Programm ordentlich abzuwickeln („wind-down“).
- Ohne solche Lizenzen ist fast jede Handlung (Übertragung, Kündigung, Verkauf, Ausschüttung) verboten.
- Die Bank kann das Deposit Agreement kündigen und das Programm beenden.
- Sie darf die hinterlegten Aktien nur unter den Bedingungen der Lizenz und des Deposit Agreements verkaufen oder ausliefern.
- Gebühren, Kosten und Abschläge (z. B. russische Zwangsabschläge von 30 % oder mehr) werden von den Erlösen abgezogen.
- Börsen (NYSE, LSE, OTC) setzen den Handel oft aus oder delisten die ADRs.
- Die ADRs werden illiquide; Preise können stark einbrechen oder nur noch mit hohen Abschlägen gehandelt werden.
- Conversion (Umwandlung ADR → Ordinary Shares) und Cancellation werden erschwert oder unmöglich gemacht – sowohl durch westliche Sanktionen als auch durch russische Gegensanktionen (z. B. Gesetz 114-FZ und Zwangsumwandlungen 2022).
- Inhaber müssen selbst prüfen, ob sie sanktionsrechtlichen Beschränkungen unterliegen (Compliance-Verantwortung liegt beim Holder).
- Sie können die ADRs oft nur noch über den Depositary kündigen und den anteiligen Nettoerlös aus dem Verkauf der Underlying Shares erhalten (wie bei Sberbank 2026: ca. 4,48 USD pro ADR nach Abzügen).
- Es besteht das Risiko, dass Aktien durch russische Zwangsmaßnahmen „verloren“ gehen und nicht vollständig rekonstruiert werden können.
- Keine Zinsen auf eingefrorene oder wartende Beträge; lange Wartezeiten (bei Sberbank mehrere Jahre bis zum finalen Verkauf).
ZusammenfassungSanktionen machen ADRs hochgradig illiquide und risikobehaftet. Sie können das gesamte Programm zum Erliegen bringen, die Depositary Bank zu einer erzwungenen Abwicklung zwingen und den wirtschaftlichen Wert der Positionen stark reduzieren (durch Abschläge, Gebühren, fehlende Aktien und lange Sperrfristen). Die genauen Folgen hängen immer von den konkreten Sanktionsregelungen (OFAC, EU, UK etc.), den Lizenzen und den Gegenmaßnahmen des Emittentenlandes ab.
Im Fall von Sberbank führten die Sanktionen letztlich dazu, dass JPMorgan die Aktien verkaufte und die Nettoerlöse an die verbliebenen Inhaber ausschüttete – allerdings erst nach Jahren und mit erheblichem Abschlag.
Im Fall von Sberbank führten die Sanktionen letztlich dazu, dass JPMorgan die Aktien verkaufte und die Nettoerlöse an die verbliebenen Inhaber ausschüttete – allerdings erst nach Jahren und mit erheblichem Abschlag.